„Wou issn as Hirn?“

Diese provokante Frage der bodenständigen, fränkischen Metzgersgattin Herta Boggnsagg kommt mir täglich in den Sinn, wenn ich im Marketplace stöbere.

Es gibt dort bekanntlich die Option, zusätzlich zum Titel des Verkaufsartikels auch noch ein Bild einzustellen. Der Titel als solcher wird normalerweise von der Bezeichnung des Inventar-Items übernommen, sollte also eigentlich korrekt sein. Beides soll dazu dienen, in Verbindung mit dem deutlich dargestellten Angebotspreis dem Kaufwilligen das eigene Sortiment übersichtlich und schmackhaft zu machen. In der „Vollanzeige“ des Objekts kann man dann weitere Einzelheiten erläutert sehen.
So sollte es sein, und gottlob ist es bei der überwiegenden Anzahl der Verkäufer auch so.

Das Webformular, das man dazu als „Händler“ ausfüllen muss, scheint zunächst geballt unübersichtlich und man muss sich erst einmal durchkämpfen. Sobald man glaubt fertig zu sein, kann man „speichern“ und sich die frische Auflistung anzeigen lassen. Dies ist offenbar eine weitgehend unbekannte Funktion. Ebenso unbekannt scheint die Tatsache zu sein, dass man im Falle eines Fehlers ALLES an der Beschreibung wieder ausbessern kann. ALLES.
Ja, es geht sogar so weit, dass man einen komplett verhudelt dargestellten Artikel wieder löschen (sprich: zurück ins Inventar nehmen) und das Angebot ganz neu von vorne wieder aufbauen kann.

Ich lege hier eine Schweigeminute ein und lasse diese weltbewegenden Erkenntnisse erst einmal beim Leser geistig einsickern.

All diese Prämissen im Hinterkopf, betrachten wir nun in aller Ruhe das Angebot auf dem Marketplace.
Hier insbesondere die Dinge, die unter dem Suchbegriff  „Gacha“ aufgelistet sind. Am besten, man lässt sich die folgende Trefferliste sortieren mit „Neuestes: zuerst“. Das ist es nämlich, was ich täglich mache, weil ich ständig auf der Jagd nach möglichst preisgünstigen Gacha-Artikeln bin, die mir in meiner Sammlung noch fehlen.

Und schon schwindet die Ruhe, die man ursprünglich beim Erscheinen der Trefferübersicht hatte. Die mentale Ausgeglichenheit, derer man sich bis zu diesem Zeitpunkt erfreut hat, ist dahin. Da ist seitenlang immer wieder dasselbe Bildchen zu sehen, die Artikelbezeichnung darunter ist ebenfalls überall die gleiche, aber halt! – der Preis variiert! Was soll uns das sagen?
Ich setze mir die gute Lesebrille auf die Nase und sehe genau hin. Wenn man nun Glück hat, ist auf den diversen Bildchen ein bestimmter Artikel durch einen Kreis (oder sonstige Hinweise) markiert. Aha, DAS ist gemeint!

Nein, nicht aha. Gar nicht aha. Drunter steht eine völlig abweichende Artikelbeschreibung!! Die Markierung auf dem Bildchen war also gar kein Glück, sondern soll nur zur weiteren Verwirrung des potentiellen Käufers beitragen!
Was verkauft das Mensch nun? Das im Bild markierte Teil oder dasjenige Stück, das als Artikelbezeichnung genannt ist? Oder ganz was anderes? Denn auch das kommt gerne vor – das Bild hat mit der Artikelbezeichnung überhaupt nichts zu tun. Das Bild kennt man von einer bekannten Skin-Marke, die Artikelbezeichnung deutet auf ein Möbelstück oder ein Companion-Tierchen hin. Oder ein Flugzeug oder Hausschuhe oder bunte Nasenklemmen.
Wat nu?

Der kultivierte Mensch ruft sich selbst zur Contenance und klickt nun wissbegierig auf eines der dargestellten Objekte, um sich die Beschreibung zur Gänze anzusehen und eventuell zu erfahren, was man von diesem Verkäufer ergattern könnte. Und was liest man da – mit hervorquellenden Augen und langsam anschwellenden Zornesadern?
„I am clearing my inventory. I am not the creator of this item and cannot give refunds.“ – Ende der Beschreibung.

An dieser Stelle entgleise ich für gewöhnlich und brülle den völlig unschuldigen Monitor vor mir an: „Zum Teufel, WHAT ITEM???“ In der Folge bedenke ich den Verkäufer noch mit einigen herzhaften bayerischen Verbalinjurien, lese den Namen des Trottels, der das Angebot reingesetzt hat und vermeide nach Möglichkeit alle anderen Auflistungen dieses Menschen.

Ein wirklich außergewöhnliches Beispiel einer aussagekräftigen Marketplace-Auflistung habe ich hier angefügt. Das ist kein Fake, das habe ich vorhin gefunden, als ich mir die neuesten Angebote durchgeschaut habe.

gacha_marketplaceDieses Angebot heißt wahrlich das Prinzip von „Gacha“ auf die Spitze zu treiben. „Zahl 15 Linden, und du kriegst IRGENDWAS dafür.“ Immerhin ist es trans, was man da kriegt. Wenn man’s denn kriegt …
Die Dame auf dem Foto scheint mir allerdings grade einen „Vogel“ zeigen zu wollen. Diese Geste – in Kombination mit der fehlenden Haarpracht und den katastrophal angehängten Wimpern – trägt nicht gerade zur Vertrauenswürdigkeit des Ladens bei.

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