Was treiben unsere Avatare eigentlich tagsüber?

Eine Frage, die nicht nur ich mir schon öfters gestellt habe.

Man loggt irgendwann nächtens aus und geht zu Bett. Also man selbst, in echt, im realen Leben, körperlich. Den Avatar lässt man – vermeintlich – gut aufgehoben irgendwo in SL zurück. Normalerweise gehe ich dazu auf mein Heimatgrundstück. Es gibt aber Leute, die legen ihren Avatar sogar mit Nachtkleidung ins virtuelle Bett.  Nachdem sie ihm vorher einen Becher virtueller Milch mit Honig zu trinken gegeben haben, im Falle von vorheriger Aufregung eventuell sogar unter Zugabe von virtuellem Baldrian. Und dann denken sie, nein wir alle denken es (!), dass sich dieser unser Avatar beim Ausloggen in seine Pixel auflöst und somit auch Ruhe gibt. Man hat ihn abgeschaltet, er ist dematerialisiert, er ist non-existent, lediglich sein Profil ist für andere noch sichtbar.

Stimmt das?

KANN das überhaupt stimmen, wo wir diesen Gestalten doch so viel von uns selber mitgegeben haben? So viel von unserem eigenen Geschmack bei der Gestaltung und Kleidung, so viele Emotionen im Gespräch mit anderen, quasi einen eigenen Charakter, und nicht zuletzt: so viel von unserem Monatseinkommen (für angemessenes Aussehen und Wohnambiente)? Hat nicht auch der Avatar ein Recht auf ein eigenes Leben, unabhängig vom gesteuerten Zwang während unserer Anwesenheit?

Vielleicht mag unser Avatar überhaupt keine Disco- oder House-Musik, vielleicht würde er lieber Opern hören. Wir hüllen die Damen in wallende Abendroben, während sie möglicherweise am liebsten in Schlabberjeans rumlaufen würden. Oder gar – man mag im Interesse unserer US-amerikanischen Mitmenschen und Mitavatare gar nicht an diese widerliche Möglichkeit denken – am Ende gar nackich! Wir kaufen teuerste hochhakige Schuhe für unsere Mädels, wobei wir (zumindest der weibliche Teil meiner noch nicht vorhandenen Leserschaft) aus ureigenster und blasenbehafteter, leidvoller Erfahrung wissen, wie es sich auf Kopfsteinpflaster und über Sandböden damit läuft.
Wir drücken unseren Avataren niedliche Plüsch-Nilpferde in den Arm oder setzen ihnen kleidsame bunte Schnecken als Hütchen auf die Köpfe. Manchmal stecken wir ihnen sogar ungenießbare Pixel-Lutscher in den Mund. Ich würde ausrasten, wenn man mir das in Wirklichkeit zumuten würde. Okay, im Fasching vielleicht. Aber nur vielleicht.

careful_i_bite
Aber zurück zur Frage: was treiben also unsere Avatare, während wir uns im Ersten Leben aufhalten? Gehen sie ihren eigenen Vorlieben nach? Haben sie einen Freundeskreis abseits von dem unseren? Liegen sie faul irgendwo am Strand oder machen sie Mount Linden-Erstbesteigungen? Gehen sie im Sommer zum Skilaufen auf eine Wintersim? Und während wir dann am PC unser Login eintippen, müssen sie alle ihre eigenen Tätigkeiten abbrechen, alles stehen-, fallen- und liegenlassen, um schleunigst wieder an ihren Ursprungsort zurückzuteleportieren. Wie anders würde es sich sonst erklären lassen, dass beim Einloggen manchmal Kleidungsstücke, Haare oder gar ganze Körperteile fehlen (oder gar dranhängen)? Manchmal beschleicht mich der deutliche Eindruck, Leo hätte ein ganz und gar hinterhältiges Grinsen im Gesicht, sobald ich den Kopf von ihr wegdrehe.

Und die beunruhigendste aller Vorstellungen: haben unsere Avatare ihrerseits vielleicht ebenfalls ein Zweites Leben?

……….. sind WIR vielleicht selber nur Avatare, ohne es zu wissen?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s